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Was bedeutet Instandhaltungsstrategien?

Instandhaltungsstrategien

Bedeutung

Eine Strategie ist ein „genauer Plan des eigenen Vorgehens, der dazu dient, ein Ziel zu erreichen.“ (Duden). Was bedeutet das nun für die Instandhaltung und welche Strategien gibt es da genau?

Das Hauptziel in der Instandhaltung ist in den meisten Fällen eine reibungslose und störungsfreie Produktion zu sichern. Auch die Erhöhung der Lebensdauer der Maschinen und Anlagen sowie die Erhaltung der Betriebssicherheit spielen dabei eine wichtige Rolle. Dieses Ziel kann auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden - den Instandhaltungsstrategien.

Vorweg: Jede Strategie hat ihre Daseinsberechtigung und ihren Bereich, in dem sie sich als durchaus sinnvoll erweist. Im Folgenden beleuchten wir die einzelnen Vorgehensweisen genauer und schauen uns an, in welchem Einsatzbereich sie besonders geeignet ist, um die genannten Ziele zu erreichen.

 

Aufgeschobene Instandhaltung

Diese Strategie wird häufig von Unternehmen gewählt die kurzfristigen Sparmaßnahmen umsetzen müssen, denn auf Dauer bewährt sie sich nicht: Wenn ein Schaden auffällt wird er nicht direkt behoben, sondern nach den Instandhaltungsrichtlinien erstmal zurückgestellt und geplant.

 

 

Schadensabhängige bzw. reaktive Instandhaltungsstrategie (engl. reactive maintenance)

Vielleicht die Ur-Form der Instandhaltung: Geht etwas kaputt, wird es repariert. Ein Schaden an Maschinen wird bewusst in Kauf genommen und es finden keine vorbeugenden Maßnahmen statt. Wichtig ist, dass bei einem Störfall schnell gehandelt wird, damit zügig weiterproduziert werden kann und die Kosten überschaubar bleiben.

Vorteile:

  1. Es muss nicht in zusätzliche Analysetechnik oder Planungstools investiert werden.

Nachteile:

  1. Teure Schäden können nicht im Voraus vermieden werden
  2. Die Lebensdauer der Maschinen wird dadurch häufig verkürzt
  3. Außerdem ist die Arbeit nach dieser Strategie kaum planbar

Einsatzbereiche:

  1. Maschinen bei denen Personenschäden ausgeschlossen werden können
  2. Maschinen die schnell und kostengünstig ersetzt oder repariert werden können
  3. Maschinen die selten ausfallen

Periodische Instandhaltungsstrategie (engl. time-based maintencance)

Diese Strategie basiert auf Wartungen, die anhand eines Wartungskalenders geplant werden. Die Intervalle der Wartungen können sich an Herstellervorgaben oder Erfahrungswerten orientieren. Ziel ist dabei, die Konsequenzen von Maschinenausfällen zu minimieren indem Reparaturarbeiten unternommen werden bevor es zum Crash kommt.

Vorteile:

  1. geringere Ausfallzeiten als bei der schadensabhängigen Strategie
  2. Folgeschäden durch Crashs können reduziert werden
  3. Es kommt zu weniger Totalausfällen

Nachteile:

  1. Wartungen werden unabhängig vom Zustand durchgeführt. So kann es zwischen den Wartungen zu teuren Schäden kommen.
  2. Die Planbarkeit dieser Strategie ist begrenzt.

Einsatzbereiche:

  1. Diese Strategie kann in ähnlichen Fällen eingesetzt werden, wie die schadensabhängige Strategie. Außerdem ist sie vor allem bei Maschinen relevant, bei denen man die Herstellervorgaben einhalten möchte, um ggf. Gewährleistungsansprüche zu behalten. ABER: Wartungen und regelmäßige Vorgänge wie beispielsweise Ölwechsel sollten unabhängig der gewählten Strategie regelmäßig nach einem genauen Zeitplan durchgeführt werden. So können zusätzliche Schäden vermieden werden.

Zustandsorientierte Instandhaltungsstrategie (engl. condition-based maintenance)

Bei dieser Strategie werden zusätzlich zu geplanten Wartungen wie bei der periodischen Instandhaltungsstrategie regelmäßig die Zustände der Maschinen überprüft, um mögliche Fehlerquellen rechtzeitig zu entdecken und auszuräumen. Dies kann in regelmäßigen Intervallen (Inspektionen) oder fortlaufend durch das sogenannte Condition Monitoring erfolgen. Beim Condition Monitoring werden dauerhaft Zustandsparameter der Maschine ausgewertet. Fallen Abweichungen vom Sollzustand auf, kann nachgebessert werden.

Vorteile:

  1. Maschinenschäden durch die Abnutzung von Verschleißteilen werden reduziert und damit kommt es auch zu weniger Folgeschäden.
  2. Durch das frühzeitige Entdecken von Reparaturbedarf können Maßnahmen besser geplant werden
  3. Es kommt zu weniger Totalausfällen

Nachteile:

  1. Kann hohe Anfangsinvestitionen verursachen (Messmittel)
  2. Hoher Aufwand vor allem bei größeren Maschinenparks.
  3. Es besteht ein Risiko, dass Maschinen zu früh überholt werden und unnötige Kosten entstehen

Einsatzbereiche:

  1. Maschinen, mit vielen Verschleißteilen

Vorausschauende Instandhaltungsstrategie (engl. predictive maintenance)

Hier kommt Industrie 4.0 ins Spiel: es werden große Datenmengen erfasst, gespeichert und ausgewertet um handeln zu können, bevor es zum Maschinenstillstand kommt. Anhand eines Vergleiches zwischen Ist- und dem Sollabnutzungswert erkennt eine geeignete Software, wann eine Instandsetzung notwendig ist. Häufig werden zusätzlich Daten an den Hersteller übermittelt und dort zusätzlich ausgewertet, um das bestmögliche und kosteneffizienteste Vorgehen zu gewährleisten.

Anhand der Datenauswertungen können Instandhaltungsmaßnahmen gebündelt werden. So können ungeplante Ausfälle reduziert und die Produktions- und Personalplanung vereinfacht werden.

Vorteile:

  1. Es kommt kaum zu ungeplanten Schäden und Stillstandzeiten. So ist die Produktion und die Arbeit des Instandhaltungsteams gut planbar.

Nachteile:

  1. Sensoren und IoT-Konnektoren nachzurüsten ist mit einem hohen technischen Aufwand verbunden, der sich eher bei modernen Maschinen lohnt.

Einsatzbereiche:

  1. Maschinen, bei denen ein Ausfall zu hohen Kosten führt (aufgrund von technischen Folgeschäden oder Umsatzeinbußen)
  2. Maschinen, bei denen die benötigten Sensoren vorhanden sind oder nachgerüstet werden können

Die Mischung machts!

Der Schlüssel zum Erfolg liegt meist in einer Kombination der verschiedenen Vorgehensweisen. Fast alle Unternehmen arbeiten neben der von Ihnen gewählten Strategie beispielsweise mit regelmäßigen Wartungen, handeln also auch nach der periodischen Instandhaltungsstrategie.

Übrigens: Auch Instandhaltungsabteilungen, die „einfach drauf los“ arbeiten, ohne sich Gedanken über Strategien zu machen, folgen womöglich einer Strategie, ohne sich dessen bewusst zu sein. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich über die Instandhaltungsstrategie und die Arbeitsweisen Gedanken zu machen und ggf. etwas anzupassen, um das Beste aus Ihrer Instandhaltungsarbeit herauszuholen.

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